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  • Sabrina Lehmann

40

Aktualisiert: 16. Nov. 2023


Schon 40. «Meine Güte, wo ist die Zeit geblieben?» denke ich oft. Und doch, irgendwo müssen die vielen Erfahrungen ja auch reinpassen. Mit 25 Jahren hatte ich diese Erfahrungen noch nicht. Ich werde aufgrund meines Alters oft gefragt: «Sabrina, wann kommt das erste Kind?» Nun, auch ich habe mir diese Frage gestellt. Und Hand aufs Herz: Dieselbe Frage habe ich hin und wieder auch anderen Paaren gestellt.


Jetzt möchte ich endlich aufräumen. Aufräumen mit den Tabuthemen wie unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburt. In meiner langjährigen Beziehung klappte es nicht. Nicht nach einem Jahr. Nicht nach 2 Jahren. Irgendwann waren es 4 Jahre und es klappte immer noch nicht. Das Schicksal hat anders als erwartet zugeschlagen. Wir hatten damals die ganze Palette vom klassischen Kinderwunschweg mitgemacht. Insemination, ICSI … Mehrmals. Die Gründe, warum es nicht klappt, sind ja sehr unterschiedlich. Und sind diese wirklich genau nachweisbar, selbst wenn es einen Nachweis gibt? Das weiss niemand so genau.


Zweimal durfte ich schwanger werden nach einem Embryotransfer. Ich hatte die ganzen Symptome einer Schwangeren. Das Glücksgefühl des positiven Tests nach so viel Aufwand, Schmerzen und Nerven (ja, es waren über 70 Spritzen und viele Hormone). Aber auch die Angst, nachdem die Blutungen kamen. Die Übelkeit, die mir bestätigte, dass ich schwanger war. Und auch die bleibende Übelkeit, nachdem ich es nicht mehr war. Den Moment als man mir sagte, dass das Herz schlägt und auch den Moment an dem man mir sagte, dass es nicht mehr schlägt. Eine Fehlgeburt ist traurig, zum Teil sehr schmerzhaft und wohl nie gleich.


Es sind die Themen, die niemand bedenkt, wenn man fragt: «Wann kommt das erste Kind?». Themen, die nicht nur ab und zu auftreten, sondern bei Vielen. Tipps & Vorschläge kamen dann viele. Dazu, wie es doch klappen könnte. Aber wie es seelisch in einem aussieht, ist schwer nachvollziehbar.


Vielleicht ist es Zufall, dass ich kurz vor dieser Zeit meine Ausbildung zur kinesiologischen Therapeutin begonnen habe. Vielleicht auch nicht. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann: Es hätte mir in dieser schwierigen Zeit nichts Besseres passieren können. Welch ein Glück! Die Kinesiologie hat mich sehr unterstützt. Sie hat mich begleitet, mir Ruhe und Kraft gegeben. Gespräche, um mich selbst in diesen Momenten zu finden und zu verstehen, angefangen beim Umgang mit meinen Gefühlen. Ich habe ab und zu gelacht, wenn es mir eigentlich zum Weinen war. Der Umgang mit eigenen Emotionen: so wichtig!


Das Gute am 40 werden: Ich werde inzwischen immer weniger danach gefragt, und auch mein Umgang zum Thema hat sich geändert. Das kostete mich nicht nur harte Arbeit, sondern auch viel Selbstreflexion und Achtsamkeit. Alles Ausdrücke die nach Arbeit und Anstrengung klingen. Das ist so, aber es hat sich gelohnt.

Es ist mir wichtig, dass Frauen und auch Männer wissen, dass sie nicht allein sind. Es ist ein trauriges Thema, leider immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema.


Der Weg führt einen immer in die richtige Richtung und man lernt aus allen Erfahrungen. Man sieht das Leben, die Welt und auch die Gesellschaft mit anderen Augen, wenn man nur offen ist und genau hinschaut. Manchmal kostet es harte Arbeit und manchmal lohnt sich die Arbeit aber auch sehr. Das Leben ist planbar, aber nur zu einem gewissen Teil. Es gibt auch einen Plan B, man muss ihn nur sehen. Mit dem Rest, egal welches Schicksal einem begegnet, wird man nur reicher an Erfahrung.

Und trotzdem: Das Leben ist wahnsinnig schön!

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